Auszeitraum



 


 

Elterninformation zum sozialen Trainingsraum-Programm
an der Astrid-Lindgren-Schule


Seit dem Schuljahr 2006/2007  gibt es an der ALS einen sogenannten „Sozialen Trainingsraum“ und seit dem Schuljahr 2016/ 2017 trägt er den Namen „Auszeit“.
Der Name bezeichnet einen Raum, aber auch ein anerkanntes und erprobtes Programm zur sozialen Erziehung, das wir seit vielen Jahren mit Erfolg praktizieren und in den letzten beiden Jahren verbessert und erweitert haben.
So ist der soziale Trainingsraum „Auszeit“ heute ein Raum  mit vielfältigen Aufgaben und Möglichkeiten, der in den beiden großen Pausen und von der 3. bis zur 5. Stunde besetzt ist.

Seine ursprüngliche, klassische  Funktion ist es, Schülern und Schülerinnen die Möglichkeit zu geben, über störendes Verhalten nachzudenken und alternative Möglichkeiten zu entwickeln, während gleichzeitig der Klassenunterricht frei von diesen Störungen ohne langen Zeitverlust weiter gehen kann.
Gerade sprachbehinderte Kinder brauchen oft sehr lange und  ein besonderes Maß an Hilfe und Unterstützung, um einen Konflikt aufarbeiten zu können. Sie brauchen jemanden, der Zeit und Ruhe hat, ihnen zuzuhören, und sie brauchen eine „Auszeit“ von dem Geschehen in der Pause oder im Unterricht. Im sozialen Trainingsraum sollen sie diese Ruhe und die strukturierte Hilfe finden, um dann wieder in den Unterricht zurückkommen zu können. Währenddessen kann der Unterricht in der Klasse geregelt weiter fortgesetzt werden.

Der Besuch im sozialen Trainingsraum soll keine Strafe sein, sondern eine gewählte Entscheidung, eine Folge des eigenen Handels, die dem Kind bewusst gemacht werden soll. Es wird darum in der Klasse zunächst an die einzuhaltende Regel erinnert, dann gibt es eine Ermahnung (gelbe Karte).
Erst bei einem dritten störenden Verhalten (rote Karte) hat das Kind sich dann damit für einen Besuch im Trainingsraum „entschieden“.

Die Trainingsraumleitung übernimmt zum Schuljahr 2016/2017 Frau Patrizia Talamini, die auch in der Schulkind-Betreuung mitarbeitet. Finanziert wird die Besetzung des sozialen Trainingsraums über das Budget der Schule, das der ALS als selbstständiger Schule zur Verfügung steht. Gemeinsam mit dem  Faustlos-Programm und dem Klassenrat-Programm ist der soziale Trainingsraum ein wichtiger Teil der Sozialerziehung an der Sprachheilschule und wird regelmäßig evaluiert.


Regeln für ungestörtes Lernen


Folgende Grundvoraussetzungen und Regeln gelten als unverzichtbar an der Astrid-Lindgren-Schule und bilden die Grundlage für eine ruhige und angenehme Lernatmosphäre, in der sich Schüler und Schülerinnen gegenseitig respektieren und in Ruhe lernen können.

Grundregeln:

Jede/r Schüler/in hat das Recht, ungestört zu lernen.
Jede/r Lehrer/in hat das Recht, ungestört zu unterrichten.
Jede/r muss das Recht des anderen respektieren.

Diese Grundregeln werden durch folgende verbindliche Klassenregeln, die für die ganze ALS gelten, noch genauer bestimmt. Sie wurden bewusst sprachlich einfach formuliert:

1. Ich mache, was die Lehrerin oder der Lehrer sagt.
2. Ich gehe immer und überall freundlich, fair und vorsichtig mit anderen in der Schule um.
3. Ich arbeite im Unterricht mit und höre bei Unterrichtsgesprächen zu.
4. Ich bin leise und bleibe an meinem Platz.
5. Ich melde mich, wenn ich etwas sagen will und warte, bis ich an der Reihe bin.
6. Ich frage, bevor ich Sachen anderer nehme. Ich gehe mit meinen Materialien, Sachen von anderen und von der Schule sorgsam um.
7. Ich esse und trinke im Unterricht nur zu den verabredeten Zeiten.
8. Ich erledige meine Hausaufgaben sorgfältig und halte Ordnung in meinem Ranzen.
9. Ich  beachte die Schulordnung.


Was passiert im Trainingsraum?


Wenn ein Kind in den Trainingsraum geht, erhält es einen Begleitzettel, auf dem die Störung kurz beschrieben wird. Es nimmt außerdem sein Hausaufgabenheft mit, in das von der Trainingsraumleitung ein kleiner Informationszettel für Sie als Eltern geklebt wird.
Im Trainingsraum wird unter Anleitung versucht, den Grund für den Besuch zu besprechen und gemeinsam darüber nachzudenken, welche Regel verletzt wurde und warum die Einhaltung der Regel wichtig ist. Dabei helfen Bild- und Spielmaterial.

In dieser Eins-zu-Eins-Situation können soziale Einsichten angebahnt werden, das Sprechen über Gefühle wird geübt und das „Sichhineinversetzen“ in andere.
Dabei lernen die Kinder auch sprachlich sehr viel, z.B. wie man sich entschuldigt oder was die Begriffe „mit Absicht“ oder „ aus Versehen“ bedeuten, um nur einige Beispiele zu nennen.
Gemeinsam mit der Trainingsraumleitung wird dann aufgeschrieben, was das Kind in Zukunft anders machen will, wenn es in die Klasse zurückkehrt (=  Rückkehrplan). Die Abläufe sind dabei den verschiedenen Entwicklungsstufen der Kinder angepasst.

Wichtig ist uns dabei, dass wir gemeinsam und in enger Kooperation an den Erziehungszielen arbeiten. Schimpfen Sie daher nicht mit ihrem Kind, wenn es im TR war, besprechen sie den Vorfall ruhig mit ihm und bestärken sie ihr Kind in seinem Vorhaben, jetzt ein anderes Verhalten zu zeigen.
Es ist kein Drama, einige Male im TR gewesen zu sein, sondern  eine Chance zur Verbesserung des Sozialverhaltens. Wenn Sie es wünschen, steht Ihnen auch die Trainingsraumleitung zu einem Gespräch zur Verfügung.


Häufige Störungen und ihre Konsequenzen


Erst wenn ein Kind zum 4. Male zwischen zwei Ferien im TR war, erhalten Sie einen Brief, in dem im Falle eines 5. TR-Besuches pädagogische Maßnahmen oder sogar Ordnungsmaßnahmen angekündigt werden. Sie werden dann zu einem gemeinsamen Gespräch eingeladen.


Hilfe-Raum


Der soziale Trainingsraum „Auszeit“ ist aber darüber hinaus auch ein Hilfe-Raum in weitestem Sinne.
Diese Funktion kann immer dann genützt werden, wenn er als klassischer „sozialer Trainingsraum“ gerade nicht gebraucht wird, d.h. wenn die Trainingsraumleitung dafür Zeit hat.
Hier können sich z.B. verletzte Kinder aufhalten in den Pausen, wenn sie nicht nach draußen gehen können, oder hier werden Kinder beaufsichtigt, die aus pädagogischen Gründen nicht in die Pause gehen dürfen.  Hier wird praktische Hilfe geleistet i.S. von feinmotorischen Training (z.B. Schleife binden)  oder Ordnung halten (Schulranzen aufräumen), es kann eine  Unterstützung geben bei schwierigen Schulaufgaben, die eine Eins-zu-Eins-Betreuung erfordern oder vieles mehr. Manchmal müssen Kinder hier auch Hausaufgaben nacharbeiten, wenn sie diese wiederholt nicht gemacht haben.